Artenvielfalt in jungen Waldgärten

In jungen Waldgärten überwiegt in den ersten Jahren nach der Anlage vor allem die Gras- und Krautschicht. Die Zwischenräume zwischen den einzelnen Bäumen und Sträuchern sind noch groß und so bleibt viel Platz für die Krautschicht und die bodendeckende Schicht.

Artenvielfalt auf Magerwiesen – ein Paradies für Insekten und Kleinlebewesen

Dies ist die Zeit, wo wir eine enorme Artenvielfalt in unseren Waldgärten beobachten können. Den Grund dafür bildet unter anderem die Magerwiese mit ihrer Hundertschaft an Gräsern und Kräutern.

In unserem jungen Waldgarten im Pletzengraben habe ich vor drei Jahren eine Bestandsaufnahme gemacht. Die Liste ist nicht vollständig, zeigt aber schon sehr deutlich, wie vielfältig eine junge Waldgartenanlage sein kann.

Folgende Wildkräuter und Gräser konnte ich in meinem Waldgarten entdecken:

Kräuter (in alphabetischer Reihenfolge)

Beifuß, Echtes Labkraut, Färberkamille, Gewöhnlicher Thymian, Große Braunelle, Großer Ehrenpreis, Hopfenklee, Hornklee, Karthäusernelke, Kleine Bibernelle, Kleiner Wiesenknopf, Knolliger Hahnenfuß, Luzerne, Margerite (Wildform), Moschusmalve, Ochsenauge, Petersilie, Rauher Löwenzahn, Ringelblume, Rosmarin, Rundblättrige Glockenblume, Salbei, Schafgarbe, Schnittlauch, Skabiosenflockenblume, Spitzwegerich, Taubenkropf-Leimkraut, Tauben-Skabiose, Tüpfel-Johanniskraut, Wiesenbocksbart, Wiesenglockenblume, Wiesenflockenblume, Wiesensalbei, Wilde Esparsette, Wilde Möhre, Wilde Karde, Wildspargel, Witwenblume, Wundklee, Zottiger Klappertopf

Mit steigendem Nährstoffgehalt des Bodens etablieren sich im Laufe der Jahre immer mehr Gräser

Gräser: (in alphabetischer Reihenfolge)

Aufrechte Trespe, Gemeines Kammgras, Gemeines Ruchgras, Glatthafer, Goldhafer, Knaulgras, Rotschwingel, Schafschwingel, Zittergras

Die wilde Möhre findet auf Magerwiesen einen idealen Standort und verwandelt deinen Waldgarten im August in ein weißes Blütenmeer

Besonders die Farbenpracht während des Jahresverlaufs hat mich dabei fasziniert. Vom hellen, kräftigen Grün der Gräser im Frühjahr über das Gelb der Löwenzähne, der gelbblühenden Kleearten, der Hahnenfußgewächse und des Johanniskrautes über das Rot der Esparsette und des Rotklees, bis hin zum blühenden Weiß der wilden Möhre, die den Herbst einläutet.

Um die Artenvielfalt der zahlreichen Insekten und Kleinlebewesen zu fördern, habe ich die Wiese nur einmal im Jahr gemäht und das Mähgut als Mulch auf der Fläche mit dem Ziel verteilt, den Humusgehalt zu erhöhen. Ein an sich guter Ansatz, wissen wir doch, dass vor allem durch mehr Humus die Stabilität des Bodens erhöht wird und im Sinne des Klimawandels mehr CO2 gebunden werden kann.

Die Gräser nehmen im Laufe der Zeit überhand

Allerdings führte meine Methode in den letzten Jahren dazu, dass sich die Pflanzengemeinschaft zugunsten der Gräser entwickelte und die zahlreichen, buntblühenden Kräuter mit der Zeit immer weniger wurden. Die Erklärung dafür liegt auf der Hand. Je humoser ein Boden wird, desto nährstoffreicher ist er. Vor allem die Gräser können diese zusätzliche Nährstoffanreicherung besser nutzen und unterdrücken auf einer typischen Magerwiese im Laufe der Zeit andere, vor allem spätwachsende und weniger kräftige Kräuter.

Einen interessanten Bericht über die Auswirkungen von Nährstoffanreicherungen auf Magerwiesen findest du hier.

In solchen Momenten, in denen aus gut gemeinten Ansätzen eine Entwicklung resultiert, die nicht im Sinne des Erfinders liegt, hilft mir die Permakultur mit ihren faszinierenden Ansätzen und Prinzipien. Vorerst galt es, zu beobachten und die Ursachen zu ergründen, warum sich mein Planungsansatz in eine unerwartete Richtung entwickelte. Dann galt es, die passenden Schlüsse daraus zu ziehen.

Meine Ziele waren grundsätzlich klar: ich wollte die Artenvielfalt erhalten bzw. noch weiter ausbauen und andererseits den Humusgehalt in meinem Waldgarten steigern. Wenn sich das eine aber mit dem anderen nicht verträgt, dann gilt es, Lösungen zu finden, bei denen beide Ansätze nebeneinander existieren können.

Das Mähgut an den Wegrand schieben – so bleibt die Wiese dauerhaft mager

Auch im Sinne der Vielfalt bin ich nun darangegangen, den Waldgarten im Sinne unterschiedlicher Nutzungsintensitäten zu teilen. Auf Flächen, wo ich die Magerwiese erhalten möchte, entferne ich nun das Mähgut mit einer Gabel und einem Rechen – meistens an den Wegrand, um Arbeit und Energie zu sparen. Dadurch bleibt diese Fläche nährstoffarm. Andererseits möchte ich vor allem entlang der Wege einen humosen und nährstoffreichen Boden. Somit kann ich die mehrjährigen essbaren Stauden und Wildgemüsen dort ansiedeln und mehr oder weniger im Vorbeigehen ernten.

Besonders wichtig ist mir auch, eine Wildniszone im Waldgarten zu etablieren. Auf diese Weise kann ich beobachten, wie die Natur mit den Veränderungen umgeht und ich kann Erfahrungen für zukünftige Entscheidungen sammeln. Ein Waldgarten wird immer ein von Menschen gemachter Raum sein, in dem die Bedürfnisse der Gestalterin bzw. des Gestalters einen großen Einfluss haben.

Vertiefende Infos zum Thema Artenvielfalt auf Wiesen findest du unter folgenden Links:

Lebensraum Wiesen, Magerwiesen und Feuchtwiesen – Biodiversität (biodiversitaet.bz.it)

Artenvielfalt: Bunte Wiesen in Gefahr – news.ORF.at

Unsere Wiesen – von einheitsgrün zu blütenbunt – Naturvielfalt

Für die abschließenden Herbstarbeiten wünsche ich euch viel Freude und Erfolg!

Euer Waldgärtner
Reinhard

„Geben wir der Natur ein Stück Land zurück.“

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